Nach dem positiven Schwangerschaftstest zur Hebamme

Schwangere Frauen sollen auch von Hebammen betreut werden, meinte das Wiener Hebammenzentrum und setzte diese Idee in einem Projekt um. Nun wurde ein erstes Resümee gezogen, das nicht alle Erwartungen erfüllte.

Ein Bericht von Regine Bogensberger

Es ist eine langjährige Forderung von Hebammenverbänden hierzulande: Frauen sollen in der Schwangerschaft nicht nur von Frauenärzten und Frauenärztinnen betreut werden, sondern auch von einer Hebamme und zwar ebenso kostenfrei, also von einer Krankenkasse bezahlt. Dadurch sollte eine ganzheitlichere Versorgung der Frauen sicher gestellt sein, so das Argument dahinter.

Um zu zeigen, wie das funktionieren würde, rief der Wiener Verein freier Hebammen – das Hebammenzentrum – vor zwei Jahren ein Projekt ins Leben: das sogenannte „Pilotinnenprojekt“. Die deutsche Auerbachstiftung finanzierte das Vorhaben, vorerst für zwei Jahre. Die Finanzierung eines weiteren Jahres ist laut Hebammenzentrum nun ebenso gesichert.

Doch was brachte dieses kostenlose Angebot für schwangere Frauen in Wien? Das Hebammenzentrum unter der Leitung von Heidi Achter und Regina Zsivkovits zog kürzlich in Wien Bilanz. Zunächst wurde es laut Projektleitung gut angenommen: 370 Frauen wurden in diesen zwei Jahren von neun Hebammen während der Schwangerschaft betreut. Es gab während der Schwangerschaft ungefähr vier Treffen zwischen der Frau und ihrer Hebamme. Geburt und Wochenbett wurden aber nicht von dieser Hebamme mit betreut. Das hätte den finanziellen Rahmen des Projekts gesprengt, begründet Hebamme Zsivkovits diese Eingrenzung.

Zufrieden waren die Frauen trotzdem, wie die Auswertung des Feedback-Fragebogens durch die Psychologin und Sozialarbeiterin Angelika Markom zeigte. Fast alle Frauen, die den Fragebogen zurückschickten, waren mit der Betreuung durch die Hebamme „ausgesprochen zufrieden“. Nur zwei waren es nicht. Deren Begründung: Sie wollten noch mehr davon. 80 Prozent der Frauen berichteten, dass die Arbeit der Hebamme eine positive Auswirkung auf ihre Schwangerschaft hatte. Sie fühlten sich „sicherer und entspannter“. Dass sie angstfreier und selbstbestimmter in die Geburt gingen, gaben 58 Prozent der Frauen an.

Obwohl das Projekt die Erwartungen der Frauen erfüllt zu haben scheint, die Initiatorinnen des Projekts hätten sich anfänglich noch mehr erwartet: eine Auswirkung ihrer Arbeit auf die Kaiserschnitt- und Frühgeburtenrate. Hier verhielten sich die Zahlen aber ähnlich wie die Gesamtstatistik: 30 Prozent der Frauen wurden per Bauch-Op entbunden, zehn Prozent bekamen ihre Kinder zu früh (Gesamtstatistik 2011: 29 Prozent Sectio-Rate, Frühgeburten: 8,3 Prozent).

Sie hätten erkennen müssen, dass es mehr dazu brauche als Hebammen-Betreuung in der Schwangerschaft, um die Kaiserschnittrate zu senken, kommentierte Zsivkovits die Ergebnisse. Sie bezeichnete das Projekt als etwas „Zartes“, das für die Frauen zwar viel bedeute, sich aber nicht durch große greifbare Ergebnisse niederschlagen würde. Das würde die Zufriedenheit der Frauen zeigen.

Martin Schenk, Armutsforscher der Diakonie Österreich, gibt ihr recht. Er ortet hierzulande „deutliche Lücken“, was die Betreuung von Familien in der Zeit der Schwangerschaft, Geburt und des Wochenbetts betrifft, dies gelte vor allem für armutsgefährdete Familien. Das Projekt der Hebammen sei demnach ein wichtiger Baustein von „Frühen Hilfen“, also früh ansetzender präventiver Projekte. Schenk fordert eine bessere Vernetzung zwischen dem Cure-Sektor, also der medizinischen Versorgung, und dem Care-Sektor, dem sozial-psychologischen Bereich. Letzterer sei in Österreich traditionell unterversorgt. Hebammen würden beide Sektoren in ihrem Berufsbild vereinen und somit eine Schlüsselrolle in diesem Prozess der Vernetzung einnehmen.

Damit dürfte Schenk auch die Zukunft und die Bedeutung des Projekts auf den Punkt gebracht haben: Es geht nicht nur darum, das Angebot langfristig zu etablieren, sondern auch um eine bessere Abstimmung und Verbindung verschiedener Akteure im System Schwangeren-und Wöchnerinnen-Betreuung, wurde in der Diskussion des Projekts deutlich. Dann würde man auch nicht Gefahr laufen, von einem Teil zu viel zu erwarten.

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